DEUTSCHLAND

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Standals sind zwei Herren, die ihre Musik Voodoo Folk nennen, und ihre meisten Lieder schreiben sie selbst. Auf ihrem frischen Album aber sind auch Werke von John D. Loudermilk und Tom T. Hall („How I got to Memphis“, Tom T. Hallfans, unbedingt hören, ihr werdet entzückt sein!) vertreten, außerdem verehren sie Dolly Parton.

Hier könnte die Rezension nun schon enden, denn damit wäre klargestellt, dass es sich um ein Meisterwerk handelt.

Das Voodooische kommt durch das Genuschel der Sänger dazu, man sieht richtig vor sich, wie sie bei einem geheimnisvollen Ritual Beschwörungen vor sich hinmurmeln, „eat my dust, eat my dust“, kurzum, diese CD ist einfach wunderbar und wird hiermit aufs Energischste empfohlen.

Standals: Voodoo Folk, Off Label Records, https://www.facebook.com/standals/?locale=de_DE (GH)

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Der Titel ist etwas untertrieben, denn das Material geht über ein paar kurze Verse weit hinaus. Die Episoden der „lyrikalischen Reise“ von Susanna Wüstneck sind schon mal 10 oder 12 Minuten lang und werden von fünf Songs verschiedener Herkunft eingerahmt, sodass die CD reichlich Stoff bietet, um die Musikerin, Poetin und Filmemacherin kennenzulernen. Die Paarreime dienen dazu, die vielstrophigen Texte etwas zu glätten und die Monologe zugänglicher zu machen. Die geschickt gestaltete mündliche Vortragsweise stärkt die Aussage und schafft beim Hören eine Verbindung zur Autorin. Nur zwei der Gedichte untermalt sie auf der keltischen Harfe. So lenkt nichts ab von dem, was zu sagen ist. Alle Texte sind im Beiheft mit- oder nachzulesen.

Susanna Wüstneck entdeckte früh die Sprache als ihr Ausdrucksmedium zusätzlich zur Musik. Sie erzählt in ernsten und auch humorvollen Texten von der Liebe und ihrem Ende, dem gesellschaftlichen Miteinander, auch dem Tod. Hier wird nichts mystifiziert und verklausuliert, die Sprache ist klar und schafft dadurch sofort Bilder im Kopf, die einen in die Geschichten hineinziehen. Kernstück der CD sind die beiden autobiografischen Texte vom Aufwachsen in der DDR und sehr bitter von der Beziehung zu einem „Märchenprinzen“. Inzwischen scheint die Verfasserin gut im Münsterland verwurzelt zu sein, denn sie benutzt einmal die regionale Subkultur-Sprache Masematte und schickt augenzwinkernd ein verunglückt flirtendes Paar quer durch allerhand westfälische Örtchen. Die Autorin zeigt sich sensibel, widerstandsfähig und auch witzig. Ihr sehr persönlich gehaltenes Album macht Lust darauf, sie einmal live zu erleben, gerne auch als Sängerin und Instrumentalistin. (küc)

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Steirische Tonspuren  -  Kapelle Kager   (Steirisches Volksliedwerk, 2021)

Jetzt kann ich es endlich einmal zugeben: Ich bin bekennender Anhänger authentischer alpenländischer Musik, sei es Stub(e)nmusik, Drei- oder Viergesang, oder eben auch authentischer Tanzmusik.

Und da kommt mir diese neue Veröffentlichung des Steirischen Volksliedwerkes gerade recht. Die Kapelle Kager, von Walter Kager (1933-1991) im Jahr 1950 zunächst als Duo gegründet, spielte in der Besetzung Trompete, Klarinette, Akkordeon, Posaune und Tuba auf Bällen, Hochzeiten und Sommerfesten in der Steiermark bis kurz vor Kagers Tod und war für viele Musiker:innen, auch über die Steiermark hinaus, prägend.

Wohlgemerkt: Wir sind hier fernab von volkstümelnder Musik, wie sie uns oftmals geboten wird. Vielmehr haben wir es hier nicht nur mit sauber gespielter Musik, komponiert im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert, zu tun, sondern gleichzeitig mit einem Zeitdokument einer Kapelle, die als Vorbild für viele folgende Ensembles diente. Polkas, Walzer und  Gstanzln hören wir hier, mit viel Herzblut und Freude an der Musik, großem musikalischen Können und immer auch mit einem Augenzwinkern gespielt.

Das vorbildliche, 16-seitige und reich bebilderte Booklet informiert über die Geschichte der Musiker und der Kapelle, über die Musik, über die damit verbundenen Bräuche, und verweist dabei auch noch auf weiterführende Informationen und Quellen. Besser, weil eben perfekt, kann man es nicht machen, und so haben wir es hier mit einem Gesamtkunstwerk zu tun, das Freunden echter alpenländischer Musik wärmstens zu empfehlen ist.
MC

Ich schließe mich an. hh

Tom & Flo - Anywhere is Love      -       Milkyhilly Music 41065

Wenn man davon ausgeht, dass auf akustischen Instrumenten gespielte 60s-Musik der Everly-Brothers, der Seekers oder P,P&M. sich immer auf der Grenze zwischen Pop und Folk bewegte und sich diese und viele andere Bands alter Folksongs bedienten, so ist das hier ein lupenreines Folkalbum im 60s-Stil. Bei den Titeln 1-7 handelt es sich um selbst geschriebene Lieder aus der Feder von Flo(rian) Laske, Titel 8, 9 und 10 sind bei Sam Cooke, Lennon/McCartney und Paul Simon ausgeliehen. Die selbst geschriebenen Songs können sich absolut mit den Coverversionen messen und so erscheint das ganze Album dadurch wie aus einem Guss. Sympathischer, sehr gut gesungener und sehr gut gespielter Folk-Pop. Ihre Vergangenheit als Straßenmusiker blitzt ab und zu durch. Ein paar Infos mehr vermisse ich ein wenig, auch wenn alle Texte der Eigenkompositionen abgedruckt sind. Aber gut, weitere Infos kann man dem Beipackzettel des Vertriebs entnehmen oder dem Internet unter www.tomundflo.de , und dort gibt es auch Infos zu den nächsten Live-Konzerten der Band, deren Kalender gut gefüllt ist und die sicher einen Konzertbesuch lohnt.  MC

TF

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Wobei, so pur Deutsch ist die ja auch nicht, aber immerhin im Lande produziert. Stereo Naked ist ein in Köln sesshaftes Duo, bestehend aus der Sängerin und Banjospielerin Julia Zech und dem neuseeländischen Bassisten und Sänger Pierce Black. Die beiden schreiben alle Lieder selbst, und zwar auf Englisch. Die beiden, das teilt die Presseinfo mit, kennen sich aus der Kölner Bluegrass-Szene, und die Herkunft ist durchaus zu hören. Aber allerlei andere Elemente sind dazugekommen, sehr viel Country, Hillbilly, moderner Folk, vielleicht passt gerade hier mal das überstrapazierte Etikett Amerikana. Mal lustig, mal traurig, zum Dahinschmelzen der Walzer ganz am Ende: „Sun and Moon“. Einziger Kritikpunkt: Viel zu kurz, dieses schöne Album, nicht mal ne halbe Stunde. Nächstes Mal bitte mehr!

Stereo Naked: Upside Down, https://www.stereonaked.com/about-1/ (GH)

   
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