Welt

Gansch / Pixner: ALPEN und GLÜHEN THS Records 220201
Herbert Pixner, ja, kenn ich. Der spielt doch Harmonika? Richtig. Aber wer auch immer bei diesem Alpen und Glühen dieser CD allein wegen der Harmonika rot- oder blauweiß-karierte alpenländische Musik erwartet, ist auf dem falschen Pfad. In den echten Alpen wäre das fatal. Natürlich gibt es Anleihen an diese Musik, aber das hier ist ein Crossover-Projekt aus Jazz, Kammermusik, Mancini, Miles Davis, Weltmusik, gespielt von musikalischen Größen unterschiedlichster Genres, als da neben Thomas Gansch und Pixner wären: Manu Delago – Percussion, Lukas Kranzelbinder – Kontrabass, das radio.string.quartet, das sind Bernie Mallinger – Violine, Igmar Jenner – Violine, Cynthia Liao – Viola, Sophie Abraham – Cello. Die musikalische Begegnung dieser Meister ist – sagen wir: interessant. Auf überraschende Wendungen in den Musikstücken muss man gefeit sein. Und sich einlassen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Vorstellung der CD in das FM passt; in einem Jazzmagazin ist sie ganz sicher gut aufgehoben. Und für dieses Genre ist sie großartig.  MC

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Musik aus vielen Ländern

Die neue Nummer der wunderbaren Zeitschrift Folk Galore ist erschienen, und ihr liegt bei eine CD – mit einem Querschnitt durch die Produktionen von CPL. 13 Stücke aus den Ländern von FGs Einzugsbereich, gewissermaßen rund um die Ostsee und mit Abstechern in die umliegenden Gegenden.

Sozusagen für jeden Geschmack? Jedenfalls ein ungeheuer breites Spektrum. Es geht los mit der polnisch-jemenitischen Sängerin Rasm Almashan, die zwischendurch auf Englisch singt und einen Hang zu Reggae-Rhythmen hat – aber am anderen Ende der Skala finden wir Schunkeljoik; wer meint, das könne es gar nicht geben, soll sich Shoodja-Choodja anhören! Dazwischen polyphoner Frauengesang, Grand-Prix-kompatible Popklänge mit englischen Wortfetzen und die tiefkehlige Drachenstimme von Yat-Kha. Um nur einige wenige zu nennen. Unbedingt selbst anhören. Und Folk Galore abonnieren!

https://folkgalore.de/ (GH)

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Gunwood – Dreamboat Jane

Dreizehn Stücke mit insgesamt etwas über 40 Minuten, Rock‘n Roll, der Sound ist trotz öfter zu hörenden Akkustikgitarren und mehrstimmigem Gesang ziemlich rauh, aber die Arrangements sind fast alle mit kleinen Überraschungen gespickt. Die Instrumentierung ist so ziemlich klassisch; Gitarren, Bass, Schlagzeug, (Hammond-)Orgel und teils mehrstimmiger Gesang.

Informationen  über Band und Besetzung liefert das sparsame Cover nicht, aber es überrascht schon, dass solche Musik aus französischer Produktion stammt.

Zamorra Label/Rainchild Records, leider keine Bestellnummer

Im FM 351 wurde die CD von Thrill of Joy heiß empfohlen. Das ist ja noch gar nicht so lange her, aber schon hat Duo-Mitglied Thomas Guido Peter eine Solo-CD vorgelegt, „Houston, ich bin das Problem“.

Auch für alle, die Houston weiterhin für das Problem halten, überaus hörenswert. Dabei fängt es geradezu nostalgisch an, wie der Ich-Erzähler im Lied in seiner Stammkneipe nach dem Rechten sehen wollte.

Obwohl das nicht gerade gut ging, ist es doch eine wunderbare Erinnerung an Zeiten, in denen die Stammkneipen geöffnet hatten, und vielleicht eine Vorschau auf bessere Tage, an denen sie vielleicht überlebt haben. Das mit dem Stammkneipenbesuch bietet also Probleme, ansonsten eigentlich auch alles, die Mitmenschen, die Politik, „Die wirklich guten Momente sind selten und rar“, wie es einmal so treffend heißt, die blöden Momente überwiegen, und immer wieder entringt sich dem Protagonisten der Lieder der Stoßseufzer: „Was hab ich eigentlich verbrochen?“ Sehr leicht nachzuvollziehen, musikalisch hervorragend und abwechslungsreich unterlegt, und einfach gut zu hören. Thomas Guido Peter: Houston, ich bin das Problem, Barhill Records, www.barhillrecords.de) GH

Adrian Sutherland: When the magic hits, Greywood Records, https://adriansutherlandmusic.com/ (GH)

CD aus Kanada

Adrian Sutherland ist Angehöriger der Attawapiskat-Nation. Die Presse-Info bezeichnet ihn als Roots-Rock-Musiker, und das ist sicher richtig, ansonsten engagiert er sich für Kultur und Sprache (die gehört zu den Algonkinsprachen) seines Volkers. Die Musik geht ziemlich heftig los, dramatische Trommelschläge, dann überrascht die helle Stimme des Sängers. Eigentlich geht es auch so dramatisch weiter, es klingt vielfach wie Filmmusik. Themen der Lieder (alle von ihm geschrieben) sind u. a. bittere Erinnerungen, Hoffnung auf die Zukunft, auch wenn eigentlich kein Grund dazu besteht, Liebe, Freundschaft, Überleben im Alltag. Kluge Texte, die Musik ist folkig nur in homöopathischen Dosen. Adrian Sutherland: When the magic hits, Greywood Records, https://adriansutherlandmusic.com/ (GH)

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All the Luck in the World – How the Ash Felt                               2021 Humming Records HUM028CD

10 neue CDs und LPs im Briefkasten, und ich gebe zu: Jede Band kann man nicht kennen. Bei der hier aber lohnt sich das Hinhören ganz gewiss. Und das ist schon das dritte Album dieser Band. Also CD eingelegt, und die Musik hat mich sofort eingefangen. Was für Musik ist das? Indie Folk? Art Rock? Ja, beides, aber auf jeden Fall mit ganz eigener, persönlicher Note. Und mit teils sehr persönlichen Texten. Die drei irischen Musiker (Neil Foot, Ben Connolly und Kelvin Barr) sind erst vor einiger Zeit aus der irischen Provinz nach Berlin umgezogen und haben ein unglaublich dichtes, stimmiges Album produziert. Ein bisschen Melancholie, viel musikalische Poesie. Vorwiegend akustisch, mit elektronischen Versatzstücken, und ein wenig  Vocoder oder Autotune hat man da eingesetzt. Hier ist es auch ein Mittel, um dieser Musik eine ganz eigene Note zu geben. Wenn ich einen musikalischen Vergleich anstellen darf, dann fällt mir am ehesten Bon Iver ein, vielleicht auch Lord Huron. Letztere kommen allerdings etwas monumentaler daher. All the Luck in the World ist da persönlicher, leiser, fast intim, aber nicht minder absolut hörenswert. Ein sehr empfehlenswertes Album!

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Ansprechend ist erst mal, dass die CD in einem ansprechenden Schächtelchen aus Karton, da ist außer der CD kein Kunststoff. Drin ist außer der CD hinter einer Kartonlasche noch ein Booklet mit den üblichen Infos über Fotograf, Studio, verwendete Instrumente, die Erklärungen der beiden Musiker, warum sie zusammengefunden haben, Danksagungen und der Titelliste.

Nun aber zur Musik: die beiden Gitarristen harmonieren gut zusammen, die Musik ist ein wenig folkloristisch, ein wenig mehr  jazzig mit Latinfeeling. Beim Hören kommen Erinnerungen an die Bossa Nova der 1950/60er Jahre auf(vor allem der Gesang bei einigen der Stücke), sehr relaxed, ohne große Experimente, einfach schön anzuhören.

Außer diverser Gitarren ist Horta noch gelegentlich mit seiner Stimme zu hören, während Onorato hin und wieder unauffällig für percussive Begleitung sorgt. Sehr sparsam werden auch Effektgeräte eingesetzt.

Die 10 Stücke bringen es jedoch grade mal auf LP-Länge, also 40 Minuten.

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Eine Doppel-CD mit Musik von überallher gibt es bei CPL. Natürlich schaut man als erstes, ob es wirklich von überallher ist, runzelt die Stirn, weil dieses Land und jener Stil fehlt, dann wird gehört, und klar, immer wird irgendwas fehlen, und von dem, was da ist, fragt man sich dann, wieso dieses schreckliche Stück? Aber am Ende ist es egal. Es ist so viel wunderbare Musik zu entdecken, die beiden CDs sind viel zu schnell zu Ende und werden gleich wieder angehört. Es geht los mit dem Fado-inspirierten „Cuidei que tinha morrido“ von Lina Raúl Refree, schon Stück 3 ist einer der absoluten Höhepunkte der Zusammenstellung, Rasm Almashan mit „Yemenia“. Es folgen finnischer a-cappella-Gesang, polyphone Stimmgewalt, ein Moriskentanz und tiefkehliger Drachengesang. Um nur einige wenige zu nennen. Eigentlich müsste über jedes Stück etwas geschrieben werden, um auch nur einen vagen Eindruck von der hier vertretenen Vielfalt zu vermitteln. Die Vielfalt zeigt sich nicht nur an der Menge der Länder, aus denen die InterpretInnen stammen. Die estnische Akkordonvirtuosin Tuulikki Bartosik z.B. brilliert mit einem sehr irisch inspirierten Stück (mit dem unirischen Titel „In Luce Amor“). Der totale Ohrwurm stammt von der Garifuna Collective („Wiya Waist“), und das Lieblingsstück der Rezensentin? „Klacht“ von Spilar aus Belgien. Great Tunes from the World Music Charts Europe, CPL, www.cpl-music.de (GH)

Diese Frau will ganz nach oben, und zwar schnell. Lainey Wilson hat die Songs ihres Debütalbums selbst geschrieben. Die Glaubwürdigkeit des „Sagen was man denkt“ leidet aber darunter, dass alles perfekt marktgängig im Country/Rock-Stil produziert ist. Natürlich ohne jeden Anflug eines politischen Untertons. Alles klingt, als habe man es schon x-mal gehört, auch die Stimme, die man zwischen Dolly Parton und Alison Krauss ansiedeln kann. Okay für Hausarbeit nebenher und längere Autofahrten. (küc)

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John Hartford – Steam Whistle Blues

Live in Bremen 1977

John Hartford ist in Europa nicht so sehr bekannt, obwohl er Roger McGuinn (Kopf der Byrds), nachdem dieser sich 1967 von David Crosby und Mike Clarke trennte, bei einem Hillbilly-, Country- und Bluegrass-Projekt, das diese Musikstile prägen und bereichert sollte, unterstützte. Und auch obwohl einige seiner Kompositionen von bekannten MusikerInnen wie Elvis Presley, Glen Campbell, R.E.M., Frank Sinatra, Atretha Franklin gecovert wurden. Mag daran liegen, dass er den Atlantik selten überquerte, um in Europa zu touren.

Die Aufnahme eines Konzerts bei Radio Bremen 1977, bei der John Hartford (leider inzwischen verstorben) vor Spielfreude und Witz sprüht. Sein virtuoser Soloauftritt ist der einer One-man-band, seine stimmliche Akrobatik, mal mit Violinen-, mal mit Banjo-, mal mit Gitarreninstrumentierung, oft zusätzlich mit Tapping-percussion, sowie einigen, teils auch rätselhaften, perkussiven Klängen ist abwechslungsreich, groovig; die Musik spannt den Bogen vom Country bis zum Blues, sogar das mitmachende Publikum überzeugt auch durch Musikalität. Man wir richtig mitgerissen und angesichts der Spielfreude verzeiht man da auch gerne minimale Intonationsungenauigkeiten, die nichts mit Bluenotes zu tun haben oder auch unbeabsichtigte Temposchwankungen, da die der guten Stimmung keinen Abbruch tun. Man hört buchstäblich, dass John Hartford teils sehr frei improvisiert und auch experimentiert, ohne Angst vor Fehlern oder Stilbrüchen, was im Metier des Country nicht so häufig vorkommt.

Dies ist eine Scheibe, die über die ganzen 78 Minuten Spaß macht und nicht nur Fans der Country-Musik gefallen dürfte.

Unverständlich ist mir allerdings, dass der Text im Booklet nur auf englisch ist.

Radio Bremen, MIG02412CD/LC23370

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Taykali – Sur Tierra

Eine CD die interessanterweise auf die 432 Hz für a gestimmt ist, was ja in den 1930er Jahren auf 440 Hz geändert wurde, aber, wie neuere Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen, biologisch besser zu sein scheint. Schon mal ein Pluspunkt.

Die lateinamerikanischen Lieder, die das Trio mit Unterstützung eines Gastes mit seinem Akkordeon, aber auch mit Overdubbing, sind etwas fülliger arrangiert, als man es von einem Trio so erwartet.

Die 10 Songs, alles Fremdkompositionen, bringen es auf 44 Minuten Musik, die leider allzu schnell vorbei sind.

Instrumentierung: Gesang, Gitarre, Bass, Charango, Percussion, Flöte, Akkordeon

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Rão Kyao – Gandhi

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Das erste und das letzte Stück auf der CD, „Respeito pela Natureza“/Respect for nature“ und “Mahatma“, sind die, die den deutlichsten Bezug zu Gandhis Kulturkreis haben und in Harmonien und Melodien sehr indisch daher kommen und so die CD rahmen, die weiteren Stücke zeigen jedoch, wo die Musiker herkommen und fühlen sich eher nach dem portugisischen Fado an, dessen wohlige Melancholie sich durch die ganze CD hinzieht.

Die Stücke bis auf Nr. 8, „Independencia/Independence“ sind alle instrumental (was für Fado eher untypisch ist) und auch in dem sind die Stimmen ohne Worte.

Das wundervolle Flötenspiel von Rão Kyao prägt die Musik, aber manchmal kommen auch Erinnerungen an Cesaria Evora hoch.

Es gibt aber auch afrikanische Einflüsse zu entdecken (Nr. 7, „Marcha do Sal/Salt march“). Im Booklet sind kurze Texte auf englisch und portigiesisch zu den Musikstücken abgedruckt, wie überhaupt alle Infos auf CD-Cover oder im Booklet. 

Eine eher ruhige Musik, obwohl einige der Stücke durchaus zum Tanzen einladen.

Mit 10 Stücken bringt es die Scheibe auf knapp 60 Minuten

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