BÜCHER & HEFTE

Malen macht glücklich

Ein buch, das mich inspiriert, gleich zu malen.

Meine Hemmschwelle, ist durch dieses Buch wesentlich gesenkt worden. Ich hatte Bremsklötze und dachte, vieles könne ich nicht. Die Impulse von Terry Runyan helfen mir dabei.

Ganz einfach wird mit Stift und Wasserfarben gemacht.

Hintergründe, nass auf trocken, Teile malen ausschneiden und puzzeln, Farbharmonie - einfach locker und lustig. Ich glaube, ich kann meine Bremsklötze vergessen. Einfach toll.

Ganz einfach Haustiere, Blumen, Vögel, Schiffe, Häuser, Bäume und vieles mehr.

Eigentlich ein wie geschaffenes Buch für Wandervögel, für alle Kreativen, wohl auch für Folkies. Und wer, wie ich blockiert ist, findet einen Dreh, sich selbst zu überlisten.

Solche Bücher, die meine Kreativität beflügeln kann ich mehr gebrauchen.

www.midas.ch

Flämisches Buch

1916, als seine Heimat Flandern in ein blutiges Schlachtfeld verwandelt worden war, schrieb Felix Timmermans seinen Roman „Pallieter“. Böse Zungen behaupteten, der Titel spiele an auf das Anwerpener Dialektwort Palloeter (Betrüger), was der Autor aber weit von sich wies. Sein Pallieter ist ein lustiger Bauersmann, den wir so gut wie nie bei der Arbeit erleben, Geldsorgen hat er aber keine. Er isst und trinkt und furzt und spielt der Obrigkeit gern mal einen Streich, außerdem ist er ein Grabscher par excellence, aber natürlich (so hätten’s die Grabscher schon damals gern gehabt), die Frauen verzeihen ihm immer. Vor allem Mariechen, die er heiß und innig liebt und die dann auch bereit ist, ihn zu heiraten. Eine besondere Leidenschaft Pallieters ist außerdem die Musik. Er spielt eine Vielzahl von Instrumenten, Flöte, Oboe, Akkordeon, vor allem aber Dudelsack, „das Instrument, in dem er am liebsten seine Seele leben ließ“. Und eine Menge Lieder wird gesungen, „Es waren zwei Königskinder“, „Tanz, tanz Quieselchen“ (hier: „Kwisselchen“), „Der Winter ist vergangen.“

Doch die neue Zeit bricht in die Idylle ein, zuerst in Form eines Flugzeugs, das über der Nete kreist. Pallieter findet das noch interessant und bezahlt teures Geld, um einmal mitfliegen zu dürfen. Dann aber kommt heraus, dass das Flugzeug Land vermessen und fotografiert hat. Die so ruhig dahinfließende Nete soll kanalisiert werden, dann wird eine Eisenbahnlinie gelegt und schließlich soll Pallieter enteignet werden, denn sein Garten ist der Eisenbahn im Weg. Und so ergreift er die Flucht und macht sich mit Mariechen auf den Weg in ein neues Schlaraffenland.

Der Krieg und seine Schrecken sind in diesem Buch höchstens durch die Anwesenheit des Flugzeugs zu ahnen, und die Frage ist, wie konnte der Autor mitten im Krieg ein solches Buch oder überhaupt ein Buch veröffentlichen? Die Antwort ergibt sich bei einem Blick in seine Lebensgeschichte. Er gehörte damals einer Bewegung an, die mit den deutschen Besatzern zusammenarbeitete, in der Hoffnung, nach Kriegsende dann ein unabhängiges Flandern geschenkt zu bekommen, als Lohn für treue Dienste. Es kam ja bekanntlich ganz anders, und Timmermans musste sich wie Kaiser Wilhelm ins niederländische Exil begeben. Dieses Hintergrundwissen kann natürlich das Vergnügen beim Lesen und die Freude über die vom Autor selbst erstellten Illustrationen (sogar von Pallieter mit Dudelsack!) nicht ruinieren.

Felix Timmermans: Pallieter, Ü: Anna Valeton-Hoos, Input Verlag, 224 S. 15,--, www.input-verlag.de (GH)

Gedichte

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Mal wieder ein Gedicht lesen, oder ganz viele … das ist an sich ein guter Rat. Dieses Buch hat aber noch einen besonderen Reiz: Viele der Gedichte schreien geradezu danach, vertont zu werden. So eine Art Poesie und Musik, und viele Musikstile bieten sich an, im Kopf geht das Konzert gleich los. So pervers das klingen mag, das gilt auch und besonders für die Gedichte ohne Worte, die nur aus Emoji bestehen und dadurch ihre Geschichte erzählen. Die auf einer großen Leinwand, während davor die Instrumente sprechen, das wäre ein großes Erlebnis. Eins dieser Gedichte heißt „Einfacher Gedichtknecht“, wenn das autobiographisch sein soll, dann hat der Poet Marco Sagurna aus Hannover hier aber gewaltig tiefgestapelt. Eine seiner Spezialitäten, wenn er also zu Wörtern greift, sind ineinander verzahnte Gedichte, man kann beim Lesen in irgendeiner Zeile einsteigen und findet sofort einen Sinn, der sich total verändert, wenn man die Zeile davor dazunimmt. Oder die danach … Und wenn seine Gedichte eine Geschichte in Wörtern und chronologisch erzählen, dann liefern sie eine Überraschung nach der anderen – wer könnte sich so einfach vorstellen, wie Glas und Apfelwein sich zusammenrotten und den Trinker verspotten? Reimen kann der Dichter übrigens auch, und hier hört die Rezensentin mit Schwärmen auf und legt dieses Werk allen ans Herz, die Texte zum Vertonen brauchen.

Marco Sagurna: Minimal gedichte: einfache auch in Farbe. Kulturmaschinen Verlag, 89 S., 14,-- www.kulturmaschinen.com  (GH)

DAS DING 5 - KULTLIEDERBUCH 1. Textausgabe, 2. Notenausgabe DUX MUSIKVERLAG hh

Andreas Lutz, Berhard Bitzel, - Über 400 Songs Musikverlag Holzschuh, Edition Dux Hug Musikverlage3 - Edition Conbrio

www.ancora-verlagsservice.de

Vertrieb:Christian Buchner

Über alle Ausgaben von "DAS DING" haben wir im Folkmagazin berichtet. Wer als Musiker auf dem laufenden sein will, der braucht DAS DING. Er hat die Noten parat und braucht nicht extra zu suchen, zu schreiben, KKORDE, Riffs, Pausen, Übergänge und Varianten auszutüfteln. Er bekommt viele Anregungen fürs Texten, Komponieren, Spielen und Singen. Theorie, mit Notenaufbau, Tonleitern, Dreiklängen, Akkorden, Umsetzung auf der Gitarre und einer großen Liste mit Guitar-Chords sind dabei. Die Lieder sind meisterhaft gesetzt. Und DAS DING zeigt einmal wieder, dass das GEWUSST WO jedem Musikanten, jedem Kreativen viel bringen kann. Eben in DAS DING.   h

In den 5 Büchern sind über 2000 Songs gesammelt.

Das ist nach der Liederbuchsammlung Dietmar Kremer die uns bekannte umfangreichste Liedersammlung in Deutschland. 

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Buch mit Musik

Andreas Niedermann ist im FM oft und zurecht gelobt worden, und hohes Lob verdient auch sein soeben erschienenes Buch „Schreiben. Selbstbild mit Tier“. Es handelt in Ich-Form vom Werdegang eines jungen Dichters und Musikers, dessen Name zwar nicht genannt wird, in dem wir aber unschwer den frühen Niedermann erkennen. Er lebt in der Schweiz und findet die Schweiz blöd und spießig, will schreiben, aber um schreiben zu können, braucht er Geld, muss also arbeiten. Das verdiente Geld zu vertrinken ist natürlich viel lustiger, als zu schreiben, und wenn es auf ist, muss wieder gearbeitet werden, also abermals keine Zeit zum Schreiben. Besetzte Häuser, Italien, Griechenland, Frankreich, Polen sind Stationen auf seinem Weg, bis er dann endlich in Wien landet. Obwohl es schwer vorstellbar ist bei so viel Abenteuer – zwischendurch schreibt er. Sein erster Roman, „Sauser“, erscheint, und die Älteren unter uns werden sich erinnern, was der damals (1987) für eine Offenbarung war. Weitere folgten, klar, das wissen wir, hier geht es schließlich um „Schreiben“. Er erzählt also, wie er schrieb oder nicht schrieb, welche Autoren ihn beeinflussten, welche damals aktuellen (und heute kaum noch erinnerten) Genies ihm wahnsinnig auf den Geist gingen, welche Musik er hörte – ganz groß für ihn war Bob Dylan, doch ach, als er glaubte, beim Trampen in Südfrankreich mit Gitarre und Dylansongs über die Runden kommen zu können, wurde er bitter enttäuscht: Unter jedem Baum stand ein Typ mit Gitarre und sang einen Dylansong! André Heller, Wolfgang Ambros, Georg Kreisler, Helmut Qualtinger, Jack London (naja, der war kein Sänger oder Musiker, aber es ist eben immer schön, wenn er erwähnt wird) tauchen im Buch auf, und alles ist spannend, witzig, turbulent wie damals „Sauser“. Was es mit dem Tier auf sich hat? Lest selbst!

Andreas Niedermann: Schreiben. Selbstbild mit Tier. Songdog Verlag, 192 S., 18,-- https://www.niedermann.at/ GH)

BUCH MIT MUSIK

Richard Marsh, Geschichtenerzähler und Autor aus Dublin, hat nun sein erstes Kinderbuch veröffentlicht. Oder – Kinderbuch? Schwer zu sagen, die Heldin ist jedenfalls fast noch ein Kind. Aisling verliert bei einem Verkehrsunfall ihre Sehfähigkeit. Sie muss lernen, blind zu sein, und ihre Eltern hoffen, dass die Musik ihr einen Trost bietet. Ohne große Begeisterung nimmt Aisling nun Klavierstunden, und im Wohnzimmer ihrer Klavierlehrerin stolpert sie über eine Harfe. Stolpert sie wirklich, hat die Harfe ihr nicht eher ein Bein gestellt? Die Harfe hat vor langer Zeit dem legendären Harfner Ruairidh Dall Ó Catháin gehört (dessen bekannteste Stück „Tabhair dom do lámh“ so eine Art Signaturmelodie von Liam Ó Floinn wurde), und dessen Geist spukt noch immer durch die Saiten. Aisling ist offen für die Stimme aus der Vergangenheit und wird sehr schnell zur virtuosen Harfnerin. Das muss sie aber auch – der Betrieb, in dem ihr Vater arbeitet (darüber erfahren wir leider so gut wie nichts), ruft zum Streik auf, das Geld aus der Streikkasse reicht kaum zum Überleben für die Familie. Dass Aisling mit ihrer Musik Geld verdienen kann, ist da eine große Hilfe. Doch nun erregt sie die Aufmerksamkeit der Sidhe, also der irischen Unterirdischen. Der Fair People, wie sie auf Englisch heißen, wegen ihres sehr hellen Teints. Die häufig gehörte Bezeichnung Fairies hassen sie nämlich. Wir erfahren allerlei Wissenswerts über die Herkunft, Mentalität und Zukunftsaussichten dieser Wesen, und jedenfalls, sie lieben Musik, Höflichkeit dagegen ist nicht gerade ihre Zier, und Aisling wird kurzerhand verschleppt und soll für den König der Feenbande aufspielen. Doch Aislings kleiner Bruder David zieht aus, um sie zu befreien, bewaffnet mit zwei Big Macs, zwei Sicherheitsnadeln und einigen Tütchen Salz. Und mit der Hilfe einer isländischen Hulda, die Altnordisch spricht, kann er zum Glück auch rechnen. Hier wird nicht verraten, wie es ausgeht, alles kann nachgelesen werden in diesem wunderbaren Buch voller irischer Musik und Feenkunde! Neben der spannenden Handlung wird allerlei an Info vermittelt: Wie so eine Harfe aufgebaut ist, welche Arten die alten Harfner gespielt haben, und wie – und warum die heute beliebten „keltischen Harfen“ keine klangliche Ähnlichkeit mit dem Original aufweisen.

Richard Marsh: The Haunted Harp, Mazgeen Press, 132 S., 11,33. www.richardmarsh.ie     GH

Sieben Tage Sommer: Roman von [Thommie Bayer]

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Buch von Thommie Bayer

Ein neuer Roman von Thommie Bayer ist immer eine Freude, und auch diesmal enttäuscht er seine treuen Fans nicht (die untreuen auch nicht, falls es solche Kreaturen gibt). Diesmal entführt er uns nach Südfrankreich, wo der überaus Max Torberg, überaus reicher Erbe eines Bankenimperiums, eine prachtvolle Villa besitzt. Dreißig Jahre zuvor wurde Max von fünf zufällig Vorüberkommenden aus einer lebensgefährlichen Lage gerettet. Er hat die fünf seit damals nicht wiedergesehen, hat sie aber aus der Ferne beobachtet und ab und zu mit Geld und Beziehungen helfend eingegriffen. Nun also hat er alle fünf in sein Landhaus geladen, taucht aber selbst nicht auf. Anja, eine junge Architektin, die ebenfalls zu seinen Protegées gehört, wird als Haushälterin eingestellt und soll berichten, wie dieses Treffen vor sich geht. Die Tage vergehen, der Gastgeber taucht nicht auf, unter den Gästen bricht die Gruppenhydraulik los. Und dann passiert etwas, das alles vollkommen auf den Kopf stellt. Das alles erzählen Max und Anja in ihrem Mailwechsel, und so kommt ein sehr moderner Briefroman heraus.  

Da Thommie Bayer uns noch immer als einer der Großen aus der großen Liedermacherzeit in Erinnerung ist, halten wir in seinen Büchern natürlich auch Ausschau nach Musik. In diesem Buch ergeht Max sich in seinen Erinnerungen an die Byrds – und auch Pete Seeger hat einen kleinen Auftritt. Wunderbar, das alles.

Thommie Bayer: Sieben Tage Sommer, Piper Verlag, 152 S., 22,--, https://www.thommie-bayer.de/ GH)

BUCH MIT MUSIK

#„Swing high“, das klingt verheißungsvoll, nach schmissiger Musik und Lebensfreude sozusagen. Darum geht es auch den Jugendlichen, von denen der neue Roman von Cornelia Franz handelt. Wobei der Einstieg das nicht vermuten lässt. In einer Arrestzelle im Gestapo-Hauptquartier in Hamburg (wo nun vielleicht endlich eine angemessene Gedenkstätte eingerichtet werden wird) stellt sich der soeben beim Verhör misshandelte Henri seinem Zellengenossen so vor: „Gestatten, Winkler, Swingheini.“ Henris Verbrechen: Swing gehört zu haben, was im Nazistaat streng verboten war, ausländisch, wild, hemmunglos, oft sogar von Schwarzen Musikern gespielt, wer so etwas hörte, konnte kein positives Verhältnis zum Deutschen Reich haben. Henri und seiner Clique war das Reich zunächst ziemlich egal; Schikanen gegen ihre jüdischen FreundInnen fanden sie nicht richtig, aber sie suchten Zuflucht in der Musik und wurden erst in den Widerstand getrieben, weil sie ihre Musik nicht hören durften. Sie wehren sich zunächst verbal, aber „Heil Hottler“ und „Swing Heil“ zu rufen, gilt schon als staatsfeindliche Zersetzung. Der Roman zeichnet Henris Entwicklung vom braven Schüler aus gutem Hause, der Spaß haben, Musik hören und irgendwann sein Abi bauen will, zum geschundenen Häftling nach. Im letzten Kapitel, das 1953 spielt, erfahren wir, was aus ihm und seiner Clique geworden ist. Im Buch gibt es, logisch bei dem Thema, viel Musik, wir bekommen nebenbei eine Einführung ins frühe Werk von Louis Armstrong, aber auch Lieder, die uns allen noch im Ohr sind, wie „Ich brech die Herzen der stolzesten Frau’n“ oder Zarah Leanders „Jeder kleine Spießer macht das Leben mir zur Wahl“, liefern uns beim Lesen die Tonspur. Die Swingheinis nennen ihre treudeutschen Widersacher „Volksidioten“, dieses schöne Wort lehrt uns Cornelia Franz, und neben allen hier aufgeführten Gründen ist auch das einer, dieses Buch unbedingt anzuschaffen, zu lesen und zu verschenken!

Cornelia Franz: Swing high, Gerstenberg Verlag, 216 S., 16 €, http://www.corneliafranz.de/wordpress/ (GH)

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FABIAN ZELLER KLANGSZENEN 14 GITARRENSTÜCKE ACOUSTIC 

Nach musikalischen Schwerpunkten geordnet:

Artikulation, Klang, Balance beiMehrstimmigkeit, Mehrstimmigkeit bei Arpeggien, Dynamik und Phrasierung

Inklusive Videos zum Download

www.Fingerprint-verlag.de Spielheft 14

 www.fabian-zeller.de

Eine fantasievolle Vorstellung macht das Spiel lebendiger!

Titel von Stücken:Im Mondschein, Nachtstille, Versunken, Sommerabschied, einsam im Nebel, Fast zu froh, Mr.Spocks Hoftanz, Ausflug,März, Ondas nas Furnas, Triste, Platons Schaukel, Un día de octubre, Quasi alla Dabke.

In diesem Heft wird mit schönen Stücken deutlich gemacht, dass Präsentation und Klang wesentlich zur Wirkung, zum Eindruck bei den Hörern beitragen.

Selbst Kleidung, Gebaren, Mimik und Gestik des Spielers wirken auf das Publikum. Entertainment, Bühnenwirkung,  Witz, Ideenreichtum kommen dazu.

DerGesamteindruck, das Erzeugen von Feeling gehören immer zur Musik, wie auch derGesang, das Zusammenwirken von Musikern bis zum Klangmischer und Beleuchter.

Fabian Zeller weist in diesem Heft eindrücklich auf verschiedene Wirkungsarten hin und erklärt die einzelnen Musikstücke.

Insofern ist dieses Gitarren-Lehrheft etwas besonderes. hh   

REGIONALKRIMI WITTENBERGE

Im FM 326 haben wir den Krimi „Der weiße Affe“ von Kerstin Ehmer gelobt und gehofft, dass es weitere Krimis mit Kommissar Ariel Spiro in der Hauptrolle geben wird. Einen haben wir verpasst, Skandal, nun ist schon der dritte da! Spiro, den es aus dem beschaulichen Wittenberge an der Elbe in die turbulente Reichshauptstadt verschlagen hat, lebt nun seit fast einem Jahr dort, wir schreiben das Jahr 1925, er fühlt sich wohl dort, in der Liebe läuft es auch endlich gut, nur sein Adlatus Bohlke neigt zu seltsamen Ausbrüchen von Melancholie, seit seine Gattin ihn zu Vorträgen der Anthroposophen schleift – und bei der Aufklärung des Mordes, mit dem alles anfängt, ist Spiro deshalb zumeist auf sich selbst gestellt. Ein Journalist wird aus der Spree gezogen, und es ist klar, dass er ermordet worden ist. Der Tote ist aus München zugereist und schreibt für den Völkischen Beobachter – Spiro liest erstmals dieses Blatt und ist entsetzt, aber den Mord aufklären muss er trotzdem. Klar ist nur, dass es nicht die politischen Gegner von links waren, die den Mann erschlagen und dann in die Spree geworfen waren, aber könnten es seine Gegner innerhalb der eigenen Partei gewesen sein? Spiro muss sich nun mit Nazis aller Art herumquälen, sein Weg führt ihn durch feine Münchner Salons über Artmanensiedlungen in Pommern immer wieder zurück in die Charité und ins Magnus-Hirschfeld-Institut, wo seine Angebetete Nike arbeitet. Manches an diesem Roman voller Zeit- und Lokalkolorit klingt beklemmend wie von heute, wenn z.B. die Politische Polizei die Nazis überwachen soll und doch von ihnen unterwandert ist. Der dritte Ariel-Spiro-Roman ist unglaublich spannend, manchmal witzig, es gibt überraschen viel Musik (aus „Des Knaben Wunderhorn“, z.B.. oder „Es saß ein klein wild Vögelein“) – manchmal aber geben Spiros Einschätzungen arg zu denken: Wenn er z.B. über Hitlers Bewunderinnen sinniert, „ältere Damen“, denkt er, wie Winifred Wagner, die 1925 gerade mal 28 war.

Kerstin Ehmer: Der blonde Hund, Pendragon Verlag, 464 S., 22,--, www.pendragon.de (GH)

Vor langen Zeiten, fürs FM 309, haben wir schon einmal über John Olday geschrieben.

Seither ist nicht viel passiert, noch immer sind seine alten Tonaufnahmen nicht rekonstruiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, mit der bekannten Ausnahme: Christiebooks. http://www.christiebooks.com/ChristieBooksWP/2013/07/7183/

Der Anarchist John Olday singt dort deutsche Lieder – nicht nur, aber „Dat du min Leevsten büst“ ist ebenso vertreten wie „Rose weiß, Rose rot“ und noch andere. Bei den englischen Liedern gibt’s eine englische Version von „Dat du min Leevsten büst“ und „Dance, Dance, Quieselchen“ („Quieselchen“ also nicht übersetzt), das alles aufgenommen vor Jahrzehnten in einem Londoner Zentrum für ehemalige Spanienkämpfer.

John Olday wurde 1905 geboren, ob in London, Hamburg oder New York, ist ungeklärt, er starb 1977 in London; er wuchs in Hamburg auf, was sicher seine Vorliebe für plattdeutsche Lieder erklärt, war Spartakist, wurde aber wegen seiner „anarchistischen Abweichungen“ aus der Partei geworfen, machte sich einen Namen als Zeichner und Autor von zeitkritischen Kabarettstücken, lebte einige Zeit in der schwulen Subkultur Hamburg, engagierte sich als Autor und Zeichner im Kampf gegen die Nazis und konnte 1938 nach England entkommen.

Ein soeben erschienenes Buch zeigt ihn als Ehemann – nämlich mit der österreichischen sozialistischen Publizistin Hilde Meisel alias Hilda Monte, der er solidarisch seine Hand anbot, als ihr 1938 die Ausweisung aus Großbritannien drohte.

Diese Information findet sich in einem frischerschienenen Buch über deutschsprachige Schriftstellerinnen im britischen Exil. Darin spielt Olday logischerweise nur eine Nebenrolle, aber es gibt allerlei zu finden über Kabarettistinnen und liederschreibende Frauen jener Jahre, und natürlich ist jede Gelegenheit willkommen, um an John Olday zu erinnern und seine Lieder anzuhören.

Doris Hermannns: Und das alles ist hier fremd. Deutschsprachige Schriftstellerinnen im britischen Exil, AvivA Verlag, 237 S., 22,-- (GH)

REGIONALKRIMI WIEN

Wien im Frühling, Bärlauchsaison, und alle Welt zieht aus, um dieses für Speisen jeglicher Art unerlässliche Kraut zu pflücken – nur: der Bärlauch dieser Saison hat es in sich. Oder auf sich. Ein neuer Pilz breitet sich auf den Bärlauchblättern aus, und wer den zu sich nimmt, erlebt ein ungeheures Glücksgefühl und fällt dann tot um. Der erste Bärlauchmord im Buch geschieht eher aus Versehen, in den Pizzabelag gemischte Bärlauchblätter fällen eine ungeheuer unsympathische Fernsehmoderatorin, die Polizei muss trotzdem ermitteln. In Verdacht gerät Kiki Bach, uns bereits bekannt aus Gudrun Lerchbaums vorigem Krimi, „Wo Rauch ist“ (den man aber nicht kennen muss, um diesen hier zu verstehen). Motiv hätte Kiki, Gelegenheit auch, zudem ist sie vorbestraft und außerdem beim Bärlauchsammeln unangenehm aufgefallen. Wer glaubt da schon, dass sie den Bärlauch sozusagen als letzten Ausweg für ihre schwerkranke Lebensgefährtin haben wollte? Kiki bleibt aber nicht lange in U-Haft, sie wird entlassen mit dem hinreißenden Kommentar einer Wärterin: „Gibt jetzt Castings für Kapitalverbrechen. Bissel ein Botox und sie nehmen dich beim nächsten Mal. Und mach was mit deinen Haaren.“ Doch bloß, weil Kiki es nachweislich nicht war, ist der Mord ja noch nicht aufgeklärt … und nebenbei passiert noch allerlei, denn der Bärlauch und sein Pilz setzen allerlei kriminelle Energien frei, nie war das Morden und Erpressen so leicht. Und wie ist der giftige Pilz ausgerechnet in den romantischen Wiener Wald geraten? Das erfahren wir am Ende dieses fulminanten, spannenden und witzigen Kriminalromans.

Gudrun Lerchbaum: Das giftige Glück, 272 S, 19,90, Haymon Verlag, https://gudrunlerchbaum.com/ GH)

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Mindener Kreis 25 – Lebenswege 2

Herbsttreffen des Mindener Kreises Petershagen 2021

Berichte von Eberhard Manfred Biniek – kaa, Karsten Stange, Hanno Botsch, Helmut Steckel, Eckard Holler, Günter Fieger-Kritter – Häring.

Vorwort: Eberhard Schürmann

Wer auf der Tagung in Petershagen war, hat die Berichte live erlebt. Wer aktiv zur Jugendbewegung gehörte oder gehört, wird erfahren, dass er vieles ähnlich erlebt hat.

Das Gruppenerleben, das Lernen, Trainieren, Vorwärtsdenken Verantwortung übernehmen, Führen und Delegieren in Horten und Bünden im jungen Alter ist und war nicht nur ein Erlebnis, sondern Lebensform, die Leben prägte.

Für alle Berichterstatter war der Zeitraum ihres Wirkens in der Jugendbewegung prägend und darüber hinaus Schaffung eines Fundaments für Persönlichkeit, Soprungbrett und Wegweiser fürs weitere Leben.

Damit ist die Broschüre „Lebenswege 2“ nicht nur spannend zu lesen, sondern eine Berichtssammlung, die auch Jüngeren Impulse fürs eigene Leben geben kann. Deshalb empfehle ich die Lektüre.  hedo

www.spurbuch.de

Wer zu seinem jugendbewegten Lebensweg erzählten will, kann das im FOLKMAGAZIN und im WANDERVOGEL bringen.

zekos Buchtipp

Tilman P. Fichter/Siegward Lönnendonker, „Genossen! Wir haben Fehler gemacht“. Der Deutsche Sozialistische Studentenbund 1946–1970: Der Motor der 68er Revolte. Schüren-Verlag, Marburg 2021. Preis: 34.- Euro

Die 68er Bewegung wurde von der Mehrheit der Bündischen Jugend abgelehnt. (Nicht in Hamburgs RbJ! - Red.)

Man hatte nach 1945 mit viel Energie und Hingabe die bereits totgesagte „Jugendbewegung“ neu aufgebaut, nun drohte ihr das unwiderrufliche Ende. Denn Rudi Dutschke war aktueller als tusk, die Lapplandfahrt geriet als „Weltflucht“ in Verruf. Überhaupt galt die Jugendbewegung als ziemlich „veraltet“. Die Freiheit,  die von ihr gesucht wurde, war nicht „jenseits des Tales“ und auch nicht auf einer fernen Insel zu finden, sondern musste - das war klar - hier und jetzt gegen die alten Nazis erkämpft werden. Die Suche nach der Blauen Blume war mega out. Wer an der Zeit sein wollte, hatte die „blaue Blume“ gegen die „Rote Nelke“ oder zumindest gegen die „Weiße Rose“ auszutauschen. Für die Bündische Jugend begann eine schwierige, desaströse Zeit. Die Gruppen verloren ihre Mitglieder, nur wenige überlebten. Ihre Tage schienen gezählt.

Um so überraschender sind die Erkenntnisse der beiden SDS-Forscher.  Es handelt sich um eine völlige Neubewertung des SDS bzw.  der 68er Bewegung und um eine Wiederentdeckung der vielfach als tot erklärt bzw. als „veraltet“ geschmähten Jugendbewegung des Wandervogels. Die marxistische Ideologie dieser Revolte hat sich inzwischen als bloße Maskerade herausgestellt, von der allenfalls etwas grüne Farbe geblieben ist. Dagegen wird immer deutlicher, dass die erstaunliche Schlagkraft dieses Studentenbundes, der in seiner besten Zeit gerade ca. 2.000 Mitglieder hatte, auf seiner elitären „bündischen“ Struktur beruhte. Vergleiche mit der zahlenmäßig gleichgroßen dj.1.11 vor 1933 drängen sich auf. Auch bei ihr konnte man Mitglied nur durch Aufnahme in der vor Ort bestehenden Gruppe werden, und dafür galten strenge Anforderungen. Der „bündische“ Charakter des SDS bestätigte sich interessanterweise auch bei der Untersuchung der Herkunft der maßgebenden Funktionäre. Während ursprünglich „Falken“ und „Naturfreundejugend“ das Hauptkontingent der studentischen Mitglieder stellten, verstärkte sich nach dem Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD der Einfluss von ehemaligen Jugendführern aus den Bünden der freien Jugendbewegung. Diese unterstützten tatkräftig die Unabhängigkeit des SDS, da sie aus der eigenen Jugendbunderfahrung in der Autonomie - im Gegensatz zu den parteipolitisch gebundenen Mitgliedern - eine einmalige Möglichkeit, politisch tätig zu werden, erkannten. Es überrascht, welche Fülle von ehemaligen Angehörigen von bündischen Gruppierungen sich im SDS zusammen fanden,  meist allerdings ohne sich zu outen. Aus den freien Jungenschaften kamen z. B. die Abendroth-Schüler Arno Klönne (zuerst katholische Jungenschaft Paderborn, später Mitglied der Deutschen Freischar), Jürgen Seifert  (aus der freien Jungenschaft „Pentagon“ in Osnabrück, später Mitglied im „Mindener Kreis“), und Kay Tjaden (aus einer freien Jungenschaft in Ostfriesland). Sie setzten mit der Fortsetzung der „Pläne“ -Zeitschrift, die von Eberhard Koebel (tusk)  zur politischen Aussprache der älteren dj.1.11-Mitglieder 1932 gegründet worden war, ab 1957 einen eigenen politischen Akzen und  propagierten u. a. den Ostermarsch.  Eine außerordentliche Bedeutung für die eigenständige Entwicklung des SDS hatte nach Meinung der beiden Autoren vor allem Jürgen Seifert, der spätere prominente Professor für Verfassungsrecht. In Berlin entstand aus der Bewegung gegen die Atomwaffen der einflussreiche „Argument“-Verlag um W F. Haug. Sein wichtigster Mitarbeiter der ersten Stunde war Dieter Rave, der zuvor  einer evangelischen Jungenschaft in Heidelberg angehörte. Ekkehard Krippendorf und Urs Müller-Plantenberg waren vor ihrer Aktivität im Republikanischen Club Berlin bzw. im SDS nacheinander Bundesführer im „Wandervogel Deutscher Bund“. SDS-Vorsitzender in München um 1960 war Manfred Vosz, der aus der Deutschen Freischar kam. Er beteiligte sich später an der Gründung der Kulturzeitschrift „Kürbiskern“ und wurde Professor für Film und Fernsehen an der Kunsthochschule Kassel. Wer in der dickleibigen SOS-Geschichte nach Namen forscht, wird auf eine Fülle von weiteren Personen aus der Jugendbundszene stoßen.

Ergänzend lässt sich auf eine Fülle von Personen verweisen, die nicht namentlich erwähnt werden, jedoch ebenfalls  aus den freien Bünden kamen und  in der 68er-Bewegung aktiv wurden..  Zu nennen  ist   Hansmartin Kuhn, aus der dj.e.v.  Mannheim-Heidelberg, der für die Einladung  von Herbert Marcuse aus den USA zum Vietnam-Kongress  des SDS 1966  zuständig war.  Er war in seinen späteren Jahren aktives Mitglied der ABW Burg Waldeck und des  „Zugvogel“.  Hartmut Zinser, später Prof. für Religionswissenschaft, war in der 68er Zeit in Berlin im SDS  aktiv und sprach einmal vom fließenden Übergang von der Jungenschaft zum SDS in der damaligen Zeit.

Erdmann Linde, der 1969 im Wahlkontor von Günther Grass als Geschäftsführer tätig war,  kam,  wie sein Bruder Carsten, der 1968 verantwortlicher Organisator des Waldeck-Song-Festivals war,   aus dem dj.1.11-Hortenring. Im Umkreis des Waldeck-Festivals sammelte sich ein respektabler Kreis linker Intelligenz, der Wandervogel- und tusksche Jungenschaftstradition zu neuer kreativer Aktivität verband. Ihr führender Kopf war der spätere Professor für Kunstpädagogik Diethart Kerbs aus Berlin, der mit seiner originellen Theorie einer hedonistischen Linken 1971 die verhärteten Fronten zu versöhnen versuchte.

Es würde zu weit führen, hier alle Namen und Verdienste der „Bündischen“ im SDS und der 68er-Bewegung aufzulisten. Der Leser kann somit selbst noch fündig werden. Sicher ist jedoch, dass die „Bündischen“ am SDS und an der 68er-Bewegung einen größeren Anteil hatten, als bislang bekannt ist. Die bündische Szene könnte die vorliegende Untersuchung deshalb zum Anlass nehmen, ihr Geschichtsbild zu überprüfen und sich mit der historischen Dialektik anzufreunden, die den 1968 erlittenen Verlust inzwischen in einen Gewinn verwandelt und zu einer gründlichen Modernisierung verholfen hat, man denke nur an die gleichberechtigte Einbeziehung von Mädchen und Frauen in die bündische Welt als positivste Veränderung.

Roman mit Musik

Wolfram Hänel haben wir im FM ja schon oft gelobt, und nun geht es weiter mit dem Loben, der geschätzte Autor hat nun nämlich einen Roman veröffentlicht, in dem die Hauptpersonen pausenlos Musik hören. Es handelt sich um fünf Herren fortgeschrittenen Alters, die mit einem Minibus nach Frankreich reisen.

Genau fünfzig Jahre zuvor, zum Ende ihrer Schulzeit, haben sie die Tour nämlich schon einmal unternommen. Was liegt näher, als die an der Schwelle zum Alter zu wiederholen? Ein schöner Plan, der natürlich seine Tücken hat. Sie sind noch gar nicht lange unterwegs, da brechen schon alte Animositäten aus, sie hacken aufeinander herum, streiten sich über Nichtigkeiten (der eine, der keinen korrekten Wenn-Satz hinkriegt, staucht den anderen wegen eines falsch verwendeten Plusquamperfektes zusammen), aber es kommt auch zu überraschenden Geständnissen, über vergangene Lieben, Krankheiten, verpasste Chancen, noch immer vorhandene Träume. Und weil sie nach Frankreich fahren, darf auch die Liebe nicht fehlen. Leider ist das Buch furchtbar schlampig korrekturgelesen, die Satzfehler häufen sich, das Lied von BAP heißt „Verdamp lang her“, nicht „Verdammt …“, andere ärgerliche Stolpersteine sind z.B. „la souvenir“ „le vin de payes“, und der allerschlimmste: „Christie Moore“! Und leider hören die alten Jungs in ihrer ganzen Zeit in Frankreich nie französische Musik, aber sei’s drum.

Es ist trotzdem ein großes Lesevergnügen, voller spannender Momente und auch voller Situationskomik, das perfekte Geschenk für Frankreichreisende oder Leute, die demnächst einen peinlichen Geburtstag feiern müssen.

Wolfram Hänel: Rollator-Blues – vielleicht muss man ja doch nicht sterben, zu Klampen Verlag, 453 S., 24,-- (GH)

   
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